Logbuch 2020

Ende Mai 2020 Norsand Boatyard/Whangarei
Letzte Woche hatten wir nachts ungebetenen Besuch. Räuber haben uns eine Avocado und eine Birne angefressen. Wir haben es bemerkt, weil einem eine Birne runter gefallen ist und die hat ein Geräusch verursacht. Vielleicht war es auch nur einer, denn Benno hat nur einen flüchten sehen. Er konnte gerade noch den buschigen Schwanz sehen, bevor der Eindringling die Stufen am Heck runter gesprungen ist. Seine Fußabdrücke hat er auch hinterlassen, sodass wir eindeutig sehen konnten, dass es ein Possum war. Leider hat er nicht nur seine Fußabdrücke an Bord hinterlassen. Iiiiiiiiii.... Das wollen wir nicht nochmal haben!!! Unser Obst steht mittlerweile im Boot und nicht mehr im Cockpit, aber wenn wir nochmal so einen ungebetenen Besucher bekommen, werden wir unsere Waffen einsetzen, die wir noch aus der Karibik gegen böse Buben haben. Ein Bewegungsmelder, der bei Auslösen eine Lampe anmacht und notfalls wird auch der elektrische Weidezaun wieder aus der Backskiste ausgegraben. Wir haben diesen Kram nicht mehr benötigt, seit wir Panama verlassen haben.
Das war es aber auch schon, was wir als halbwegs aufregendes zu berichten haben. Hier in Neuseeland wurde das Corona-Alarm-Level am 14. Mai auf Level 2 herabgestuft. Das bedeutet, dass nun einige Restaurants mit gewissen Auflagen wieder öffnen können und auch ein paar mehr Geschäfte sind auf. Allerdings ist das Fahrradfahren in der Stadt nicht mehr so entspannt, denn es ist wieder mehr Autoverkehr.
Aber sonst geht es uns gut und wir harren weiter der Dinge, die da noch kommen.

Anfang Mai 2020 Norsand Boatyard/Whangarei
Auch jetzt gibt es nichts wirklich weltbewegend Neues zu berichten, aber wir wollen mal einen kurzen Zwischenbericht geben. Es geht uns weiterhin sehr gut und der Wettergott meint es auch noch gut mit uns. Die Temperaturen sind immer noch oft tagsüber um die 20 Grad und bisher gab es auch noch nicht so viele Regentage. Nachts ist es natürlich kühler, aber wir sind ja gut gerüstet. Seit dem 28. April hat die neuseeländische Regierung den Lockdown von Level 4 auf Level 3 geändert. Das bedeutet für uns, dass nun auch Baumärkte und einige andere Geschäfte offen haben, aber noch nicht für normalen Einkauf. Man bestellt online und kann das Bestellte dann abholen oder sich schicken lassen. Die Restaurants dürfen Take-aways anbieten, aber das ist für uns nicht wichtig. Ich koche nach wie vor sehr gerne und die Supermärkte lassen es an nichts fehlen. Außer dem weißen Spargel, den es jetzt wohl in Deutschland gibt und auf den ich mich gefreut habe, hätte ich denn, wie geplant nach Deutschland fliegen können.
Langeweile kommt bei uns immer noch nicht auf. Es gibt immer was am Boot zu tun und wenn wir keine Lust zu arbeiten haben, dann machen wir einen Ausflug mit den Fahrrädern oder lesen oder stöbern im Internet. Manchmal kommt jemand von den anderen Seglern für ein Schwätzchen vorbei, aber alles auf Distanz. Normalerweise wird man immer auf ein Gläschen oder zwei an Bord gebeten, aber das findet leider im Moment nicht statt. Jeder zeigt hier Wohlverhalten, denn alle sind froh, dass sie hier an ihren Booten werkeln dürfen und mehr oder weniger unbehelligt sind. Jedenfalls haben wir noch nie so entspannt am Hardstand gearbeitet wie jetzt. Wir haben ja keinen Zeitdruck und Pläne lassen sich nicht so richtig machen. Seit dem 28. April wird wieder hier bei Norsand gearbeitet und Boote werden aus dem Wasser geholt und andere wollen mit ihren Booten wieder ins Wasser. Wir haben uns entschieden, dass wir vorläufig noch nicht wieder mit Belena ins Wasser wollen. Wir haben verschiedene Ideen im Kopf und werden je nach Situation entscheiden, was wir tun werden. Und wir hoffen sehr, dass dieser Corona-Wahnsinn bald aufhört. Dazu haben wir einen netten Cartoon von Linus und Snoopy gesehen mit folgendem Text. Linus zitiert einen Virologen, der im Fernsehen gesagt hat, dass die beste Waffe im Krieg gegen das Coronavirus der gesunde Menschenverstand sei. Snoopy erwidert: "Wir sind verloren! Die meisten von uns sind unbewaffnet!"
Am 11. Mai will die neuseeländische Regierung verkünden, wie es nun weiter geht. Wird das Lockdown Level 3 verlängert oder was? Wait and see, wie man hier sagt.

11. 04. 2020 Norsand Boatyard/Whangarei
Es gibt von uns nicht wirklich was neues zu berichten, aber Ostern steht vor der Tür und es wird Zeit für die Ostergrüße. Hier in Whangarei ist alles ruhig und entspannt. Die Supermärkte sind gut gefüllt (auch mit Klopapier und Mehl ;-)) und nur jetzt vor Ostern sind die Schlangen etwas länger. Die Baumärkte sind nicht auf, aber wir haben vorgesorgt und haben alles da, was wir für die Arbeiten am Boot brauchen. Wir spüren ja die Einschränkungen nicht so sehr, aber für viele Neuseeländer ist es sehr hart, dass sie nicht mehr fischen und jagen gehen dürfen. Aber viel schlimmer ist, dass die alten Menschen alleine gelassen werden und auch alleine sterben müssen. Wir kennen einen älteren Segler, dessen Frau vor ein paar Tagen gestorben ist. Nein, sie ist nicht am Coronavirus gestorben, sie war 90 Jahre alt und schon länger krank. Aber ihr Mann durfte nicht zu ihr um sie beim Sterben zu begleiten. Sie waren 67 Jahre verheiratet. Da kann sich jeder seine eigene Meinung dazu bilden.
Wir haben vor dem Virus keine Angst und vertrauen auf unsere gesunde Lebensweise und unser intaktes Immunsystem. Aber was uns Sorge macht, sind die zunehmenden Einschränkungen unserer Grundrechte einschließlich der Meinungsfreiheit. Wir fragen uns, ob das alles noch verhältnismäßig ist.
Aber wie auch immer, hier in Neuseeland soll angeblich die Ausgangssperre am 20. 4. 2020 aufgehoben werden. Hoffen wir mal, dass es auch so kommt.
Leider wird Ostern ja dieses Jahr nicht wie sonst stattfinden, aber trotzdem wünschen wir Euch schöne Ostertage und bleibt gesund.

Ende März 2020 Norsand Boatyard/Whangarei
Nun steht also Belena an Land und wir hatten Glück, dass das noch geklappt hat. Gerade noch rechtzeitig, denn hier in Neuseeland ist auch jetzt der Laden dicht, sprich: Lockdown. Wir hatten Auswassern von Belena ja schon länger geplant, weil wieder das ein oder andere am Boot zu arbeiten ist. Wir haben neue Propeller bestellt und die kann man im Wasser schlecht austauschen und das ein oder andere muss auch an Land erledigt werden. Neues Antifouling nicht zu vergessen.
Ursprünglich hatten wir letzten November einen Termin am 1. 4. für das Anlandstellen von Belena vereinbart, aber hatten den Termin schon im Februar auf den 24. 3. vorverlegt. Wir hatten Bedenken, dass wir die Arbeiten nicht alle erledigt bekommen, bevor wir am 9. Mai das Land wieder verlassen müssen.
Wir haben durchaus in Erwägung gezogen, diesen Termin doch noch abzusagen und weiter zu segeln. Die Idee, Belena mit Lebensmitteln vollzupacken und sich ins Minerva Reef zu verziehen, hat durchaus seine Reize. Aber leider sind da ein paar Haken, denn die Zyklonsaison ist noch nicht vorbei und das Minerva Reef ist dann kein sicherer Platz. Und anschließend könnte man auch nirgendwo hin. Die tropischen Inseln im Pazifik haben alle ihre Grenzen dicht gemacht und nach Neuseeland wäre uns der Rückweg aus den gleichen Gründen auch verwehrt. In Neuseeland selbst segeln ist auch keine Option. So richtig frei bewegen mit dem Segelboot kann man sich nämlich hier zur Zeit nicht.
Die Ausgangssperre ist hier im Moment für vier Wochen verhängt. Aber kein Mensch weiß, ob es nicht auch verlängert wird.
Zumindest arbeitsmäßig können wir uns entspannen, denn unsere Visa wurden bis Ende September verlängert und wir haben diesbezüglich jetzt keinen Zeitdruck mehr.
Wie in Deutschland sind aber Lebensmittelgeschäfte, Tankstellen und Apotheken geöffnet. Aber im Moment dürfen wir hier noch vor die Tür. Wir können spazieren gehen, Fahrradfahren etc. Man soll nur darauf achten, dass man dabei anderen nicht zu nahe kommt. Das ist jedenfalls vernünftiger, als die Leute zu Hause einzusperren. Frische Luft und Bewegung sind doch gut fürs Immunsystem.
Wir werden oft gefragt, wie denn nun unsere weiteren Pläne aussehen. Nun, die werden im Moment alle umgeworfen oder sind schlicht und ergreifend nicht machbar. Wir hatten ja eigentlich vor, wieder zu den tropischen Inseln zu fahren. Französisch Polynesien ist immer noch auf der Wunschliste, aber letztendlich wird die Wettersituation entscheiden.
Wir werden jetzt abwarten müssen, wie sich die Lage weiter entwickelt. Wird die Ausgangssperre verlängert? Wird man im Juni oder Juli wieder in die tropischen Länder reisen können? Ende September ist dann schon eigentlich kein guter Zeitpunkt mehr um wieder in die Tropen zu segeln, weil ja am 1. November die Zyklonsaison wieder anfängt. Werden die Visa dann nochmals verlängert und müssen wir den Winter über hierbleiben, weil wir auch mit dem Flieger nirgends hinreisen können?
Ein bisschen blöd ist, dass es hier langsam kalt wird. Aber wir haben vorgesorgt und haben uns noch zwei zusätzliche Heizlüfter gekauft. Strom haben wir genug um sie zu betreiben. Und Wärmflaschen fürs Bett haben wir auch.
Sonst geht es uns gut, das Wetter ist noch sonnig und teilweise sogar bis 20 Grad. Ich fahre zur Zeit jeden Tag mit meinem schönen, neuen Fahrrad und das macht viel Spaß und manchmal begleitet mich Benno. Es gibt kaum Autoverkehr und das hat vor allem beim Radfahren auch seinen Vorteil. Wir sind hier gut aufgehoben, hier stehen auch viele Freunde von uns an Land und wir haben nette Gesellschaft. Allerdings küssen uns unsere französischen Freunde nicht mehr, sondern es gibt nur Luftküsschen :-)) Die Maoris hier verzichten nun auch auf ihren besonderen Gruß, den Hongi, also das Aneinanderreiben der Nasen bei der Begrüßung. Nun, damit können wir gut leben.
Wie wir die Situation wegen dem Coronavirus generell einschätzen sollen, wissen wir nicht so recht. Wir lesen und hören von totaler Panikmache, aber auch von anerkannten Wissenschaftlern, die eine etwas andere Sichtweise haben. Wer nun recht hat, wird sich herausstellen. Wir hoffen jedenfalls, dass die Grundrechte hier nicht noch weiter eingeschränkt werden und sich unsere Situation nicht verschlechtert. Auf gesunden Menschenverstand darf man leider bei Panik nicht vertrauen und das Angst und Panik schon immer ein schlechter Ratgeber gewesen sind, hat man zur Zeit wohl vergessen.
Wir machen das Beste aus der Situation und sind guter Dinge.
Bleibt weiterhin gesund und bis zum nächsten Bericht.

Mitte März 2020 Urquharts Bay
Von Whangarei sind wir erstmal nur ein paar Meilen bis in die Parua Bay gefahren. Von hier ist es nicht weit nach Parua, wo wir am nächsten Tag noch ins Newday Cafe wollten. Wir wollen dort unsere Freunde Sabine und Frank nochmal treffen, aber das gute Essen dort lockt uns natürlich auch. Ich stehe ja nicht so sehr auf Desserts, aber bei Sabines Kreationen werde ich regelmäßig schwach.
Da es so gut geklappt hat, per Anhalter von Parua Bay nach Parua zu kommen, versuchen wir es am nächsten Tag wieder mit dem Daumen, diesmal mit dem Ziel Whangarei. Wir müssen ein Paket zur Post bringen und wollen bei der Gelegenheit auch zum maritimen Flohmarkt, der im Town Bassin von Whangarei statt findet. Dort treffen wir auch einige Freunde, die sich wundern uns hier zu sehen. Mittags sind wir schon wieder zurück in der Parua Bay und genehmigen uns noch eine Pizza in der Parua Bay Tavern. Hier sitzt man sehr schön und die Pizza ist auch gut.
Der nächste Ankerplatz ist die Smugglers Bay. Nein, diesmal nicht die Urquharts Bay, denn wir haben noch genug Jakobsmuscheln:-))
Wir wollen weiter nach Great Barrier Island. Dort gefällt es uns gut und diesmal ankern wir in der Nagle Cove, nördlich von Port Fitzroy. Wir wollen uns noch nicht bekannte Ankerplätze anschauen und der erste ist in der Whangaparapara Bay die Graveyard Bay. Hier gibt es einen klitzekleinen Friedhof mit Gräbern von den ersten Siedlern von Great Barrier Island. Wir besuchen ja gerne Friedhöfe, weil die oft sehr schön gelegen sind und eine Oase der Ruhe sind. Wir verlegen uns aber auch noch ein Stückchen weiter in die Whangaparapara Bay hinein, weil wir von dort aus einen Ausflug zu den Kaitoke Hotsprings in den Bergen machen wollen. Aber erst erkunden wir die Bucht mit dem Dinghi. Es gibt einen sehr schön gelegenen Campingplatz, eine alte Whaling Station und Überreste von einer alten Kupfermine. Doch von der Walstation und der Kupfermine ist fast nichts mehr übrig, aber es gibt eine kleine Fotoausstellung in einer Hütte.
Wir machen den Rundweg über die Kaitoke Hotsprings und die Kauri Falls. Ein Stückchen werden wir von einem Auto mitgenommen, aber der Rest ist anstrengend und es geht bergauf und bergab. Da ist das heiße Bad in den Hotsprings eine willkommene Abwechslung und später dann das kalte Bad bei den Kauri Falls. Ein Teil des Weges ist der Tramlinetrack, wo man von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts mit einer Bahn die gefällten Kauribäume transportiert hat. Das muss man sich mal vorstellen. Eine Bahn in diesem unwegsamen Gelände! Und nur um die Natur besser ausbeuten zu können! Zu diesem Thema: Noch heute noch ist Neuseeland nach Russland und den USA der drittgrößte Exporteur von Holz. Dieses kleine Land!!! Und das Holz wird noch immer mit dem längst verbotenen Gift Methylbromid gesprüht. Das Neuseeland so einen grünen Ruf hat, ist uns mittlerweile völlig unbegreiflich.
Nun, die Wanderung war aber schön.
Nach Great Barrier sind wir nach Great Mercury Island gesegelt. Unterwegs verlässt uns leider der Wind und wir müssen motoren. Das wird uns aber versüßt als Delfine uns besuchen. Dank dem glatten Wasser gelingen mir sehr schöne Bilder und Videos von den Delfinen. Der Anker fiel im Süden von Great Mercury Island in der Peachgrove Bay. Danach sind wir die Ostküste hoch gesegelt und kamen uns wie in Rügen vor. Weiße Kalkfelsen und obendrauf Nadelbäume. Wir hatten eigentlich vor an der Ostküste in der sehr schönen Coralie Bay zu ankern. Doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Wir wollen deshalb nach Coromandel auf die Ostseite in die Kennedy Bay. Dort ist ein sehr geschützter Naturhafen und so kommen wir immerhin zu einer Umsegelung von Great Mercury :-))
Und wieder werden unsere Pläne durchkreuzt. Wir wollten die Ostküste weiter nach Süden segeln um vor dem Hot Beach und Cathedrale Cove zu ankern. Aber der Wind spielt nicht mit. Also segeln wir die Ostküste hoch und machen Stopps in Port Charles und Port Jackson im Norden von Coromandel Peninsula. Zu unserer großen Freude fangen wir wieder einen großen Kingfish und die Versorgung mit leckerestem Fischfilet ist für die nächsten Wochen gesichert. Unterwegs sehen wir wieder die kleinen Blue Penguins und wieder kriege ich kein schönes Bild hin. Schade.
Da wir nun die Ostküste von Coromandel zurückstellen müssen, wollen wir wieder mal nach Auckland. Wir wollen ein Fahrrad für mich kaufen und das schaue ich mir lieber im Laden an und probiere es aus, bevor ich es kaufe. Aber von Port Jackson fahren wir erstmal bis Motuihe Island. Diesmal ankern wir im Norden der Insel. Auch schön.
Aber am nächsten Tag geht es schon weiter nach Auckland. Wir ankern wieder in der Nähe der Bayswater Marina und fahren mit dem Dinghi zur Viaduct Marina. Die liegt ja sehr zentral in der Stadt und wir bekommen von der Marina die Erlaubnis mit unserem Dinghi hier zu parken. Auf zum Fahrradladen und mein Fahrrad wartet auf mich. Gefällt mir sofort, also wird es gleich gekauft.
Am nächsten Tag machen wir gleich einen Fahrradausflug in Auckland und zwar zum Mount Eden. So ganz ideal ist Auckland nicht zum Fahrradfahren. Es gibt teilweise Radwege, aber sie sind parallel zu stark befahrenen Straßen. Schön ist anders. Aber wir entdecken den alten, leider etwas verwahrlosten Sysmonds Street Cementry. Ein Ruhepol in der großen Stadt. Dann weiter zu Mount Eden, wo man mit einer grandiosen Aussicht belohnt wird. Zum einen der 360° Blick auf Auckland und dann der Blick in den Krater, direkt zu unseren Füßen. Aber der Krater, der sonst von sattem Grün geprägt ist, zeigt sich in gelbbraunen Tönen. Die seit Monaten anhaltende Dürre in Neuseeland hat das Gras verdorren lassen.
Da wir nicht weit von der Bayswater Marina ankern, wollen wir auch Devonport mit dem Fahrrad erkunden. Ein hübscher Stadtteil von Auckland und hier führen die Radwege durchs Grüne und weniger entlang viel befahrener Straßen. Wir fahren durch ein richtiges Biotop und dass die große Stadt Auckland nicht weit entfernt ist, kann man kaum glauben. Devonport hat auch einen schönen Aussichtspunkt und das ist der Mount Victoria. Nicht ganz so hoch wie Mount Eden, bietet aber auch einen schönen Blick auf Auckland. Am Fuß des Berges gibt es einen alten Friedhof, aber auch der ist leider ziemlich verwahrlost. Wirklich schade.
Devonport selbst ist sehr hübsch, wenn es auch nicht mehr ganz so idyllisch ist, wie wir es noch vor 20 Jahren kennen gelernt haben. Es gibt nette Geschäfte und auch gute Restaurants. Nachdem wir uns gestärkt hatten, geht es wieder zurück auf Belena.
Aber bald haben wir genug von der Großstadt. Ein letztes Mal fahren wir noch nach Auckland, diesmal ohne die Fahrräder, erledigen ein paar Sachen, bummeln ein bisschen rum und kaufen noch ein paar Lebensmittel. Und gehen noch essen in ein japanisches Teppanyaki Restaurant. Dort wird das Essen am Tisch zubereitet und die Köche machen immer eine Show dabei mit ihren Messern. Also gutes Essen und noch was fürs Auge.
Dann geht es noch am gleichen Tag Anker auf und nix wie weg aus der Stadt. Wir ankern in der Te Kawau Bay vor Ponui Island und sind wieder fast alleine am Ankerplatz. Hier ist es auch schön, aber wir wollen wieder nach Coromandel Town und diesmal wollen wir ein paar Tage bleiben.
Coromandel Town ist ein kleines Städtchen, aber es gibt alles, was man so braucht. Gute Restaurants, nette Geschäftchen und auch einen Supermarkt, wo wir uns mit Lebensmitteln versorgen können.
Am besten schmeckt es uns in der Mussel Kitchen, die etwas außerhalb liegt, aber wir sind ja mit den Fahrrädern mobil. Dort gibt es endlich mal eine ordentliche Portion Muscheln, so wie ich sie zu Hause auch serviere. Ein Kilo Green Lipped Mussels pro Person. Ich habe sie mal auf thailändische Art mit Green Curry und Kokosmilch probiert. Sehr lecker.
Außergewöhnlich war unsere Fahrradtour zur Creek Railway and Potterie. Da wurde in jahrelanger Arbeit auf absolut unwegsamen Gelände eine Schmalspurbahn gebaut, die mit 7% Steigung eine der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt ist.
Die einstündige Fahrt hat sich wirklich gelohnt und wir haben sie sehr genossen.
Lisa und Thomas besuchen uns wieder und wir kommen so in den Genuss einer Autofahrt rüber auf die Ostseite von Coromandel. Auf einem Aussichtspunkt haben wir einen tollen Blick sowohl auf die Westküste, als auch auf die Ostküste der Insel. Und Belena ist auch gut zu sehen. Wir besuchen Whitianga, wo gerade ein schöner Markt ist. Verkauft wird Obst und Gemüse von lokalen Bauern, die damit werben, dass alles ohne Einsatz von Pestiziden angebaut wurde. Das ist hier eine Seltenheit, denn die Masse der Farmer glaubt an die Unschädlichkeit von Roundup oder anderen Schweinereien von Monsanto.
Auf dem kleinen Markt wird auch kunsthandwerkliches angeboten und es gibt ein kleines Unterhaltungsprogramm. Anschließend fahren wir zum Hot Beach, wo wir eigentlich mit Belena hinwollten. Nun sind da aber Menschenmassen und da haben wir keine Lust uns ein Loch im heißen Sand zu graben und uns da mit rein zu quetschen. Statt dessen fahren wir weiter zur Cathedrale Cove. Hier müssen wir eine Stunde bergauf und bergab gehen um dort hin zu gelangen. Und auch hier sind viele Leute, aber die Landschaft ist trotzdem sehr beeindruckend. Irgendwann schaffen wir es vielleicht auch mal, mit Belena in der Nähe zu ankern. Dann können wir an den Strand, wenn sonst niemand da ist und es ist nicht so weit zum laufen ;-))
Nach der sehr schönen Zeit auf Coromandel segeln wir wieder Richtung Auckland in den Hauraki Gulf. Wir ankern zwischen Motutapu Island und Rangitoto Island in der Islington Bay. Wir machen auf beiden Inseln schöne Spaziergänge, wobei die Inseln selbst sehr unterschiedlich sind. Motutapu ist fast völlig abgeholzt, bietet aber schöne Ausblicke und wir sehen zum ersten Mal Takahe Vögel. Der Takahe zählt wie der Pukeko zu den Purpurhühnern, aber er kann nicht fliegen und ist vom Aussterben bedroht.
Rangitoto ist dicht bewaldet und wir laufen einen schönen Pfad am Ufer entlang. Hier gibt es noch einige Wochenendhäuser, die in Neuseeland "Bach" heißen. Während man auf Motutapu helles Gestein sieht, ist hier die Landschaft von schwarzen Lavasteinen gezeichnet. Man kann auch zum Vulkan hoch laufen, doch das sparen wir uns diesmal.
Seit wir in Neuseeland sind, hatten wir die ganzen Monate herrliches Wetter. Nun kündigt sich an, dass bald ein Zyklon aus den Tropen hier nach Neuseeland ziehen wird. Da wir Ende März einen Termin haben um Belena an Land zu stellen, ist für uns der Urlaub so langsam zu Ende. Um nicht bei beschissenem Wetter wieder nach Whangarei fahren zu müssen, machen wir uns so langsam auf und fahren wieder zurück. Wir machen noch einen kurzen Stopp vor Kawau Island und dann geht es in einem Rutsch bis in die Urquharts Bay.
Hier in der Urquharts Bay oder Parua Bay werden wir ein paar Tage bleiben, bevor wir den Hatea River hoch zu Norsand Boatyard fahren. Dort kommt Belena an Land und der nächste Bericht wird dann vom Arbeitslager dort erfolgen.

Anfang Februar 2020 Whangarei
Nach dem Te Puna Inlet waren wir erstmal in Paihia um ordentlich einzukaufen, denn für die nächsten Wochen haben wir geplant uns in die Einsamkeit zu verholen. Erster Stopp war dann bei den Cavilli Islands, wo wir diesmal das Wrack der Rainbow Warrior finden und dort auch tauchen. Für mich war es das erste Mal, dass ich seit unserer Ankunft in Neuseeland in das kühle Nass gesprungen bin. Mit Neopren war es auszuhalten.
Anschließend waren wir in Whangaroa Harbour und haben kurz vor der Einfahrt unseren ersten Kingfish gefangen. Lecker. Vor zwei Jahren waren wir ja schon mal dort, aber dieses Jahr ist das Wetter wesentlich besser. Es ist trocken und so ist der Weg hoch zu Duke´s Nose leichter als bei den schlammigen Bedingungen, die wir letztes Mal vorgefunden hätten. Von dort oben hat man eine grandiose Aussicht, die für alle Mühen entlohnt. Am Nachmittag reicht die Kraft nur noch für einen Dinghiausflug in einen Bach, wo am Ende ein schöner Frischwasserpool ist. Aber uns ist das zu frisch und wir begnügen uns mit den schönen Aussichten unterwegs. Da wir schon mal unter die Bergziegen gegangen sind, erklimmen wir am nächsten Tag Paul´s Rock. Der ist nicht ganz so anstrengend zu erklimmen, bietet aber auch schöne Ausblicke.
Dann zieht es uns weiter nach Norden und unterwegs sehen wir mehrmals Blue Penguins. Leider ist mir kein guten Bild davon gelungen, aber dafür habe ich später den Kekeno Seal gut erwischt und habe viele Fotos und Videos gemacht. Das war kein Kunststück, denn er dümpelte ganz entspannt neben uns am Boot. Erst dachten wir, er hätte ein Problem, aber dann sehen wir, dass er gut schwimmen und tauchen kann. Freunde, die in Alaska segeln waren und dort viele Seelöwen gesehen haben, erzählen uns, das die Tiere gerne mal an der Oberfläche einfach so rum dümpeln.
Nach einem Zwischenstopp in der Taemaro Bay, wo wir auch wieder einen Berg hoch laufen um eine schöne Aussicht zu haben, ankern wir bei der Karikari Halbinsel in der Maitai Bay. Es ist Wochenende und es ist Mords was los. Der Strand ist groß, die Bucht ist weitläufig und sogar mit dem Auto befahrbar. Wir machen einen Spaziergang zum gegenüberliegenden Karikari Beach, der menschenverlassen ist.
Danach fahren wir in den Houhora Harbour, wo vor zwei Jahren unser nördlichster Ankerplatz in Neuseeland war. Aber diesmal wollen wir weiter nach Norden und nachdem wir eingekauft haben und mal wieder im Restaurant Essen waren, sind wir um die Ecke und ankerten bei Grenville Point an der Ostküste. Oft kann man dort nicht gut liegen, aber wir haben günstige Wetterbedingungen erwischt. Aber auch das ist nur ein Zwischenstopp, denn unser Ziel ist Parengarenga Harbour. Wenn man im Internet nach Informationen dafür sucht, kann einem schlecht werden. Es wird nur von Schiffswracks berichtet und es wird davor gewarnt, dort einzulaufen. Das Problem ist, das es eine Sandbarre vor der Einfahrt gibt, die bei viel Wind und Schwell sehr gefährlich ist. Aber zum einen kennen wir diese Bedingungen vom Segeln in der Nordsee und zum zweiten haben wir uns günstige Bedingungen ausgesucht. So können wir ohne Probleme in den Parengarenga Harbour einlaufen und wir sind mehr und mehr begeistert. Schon von weitem sieht man die weißen Dünen und mit "weiß" meinen wir wirklich schneeweiß. Als wir an Land sind, merken wir, dass der Sand puderzuckerfein ist.
Und einsam ist es hier, so wir wir es gerne mögen. Wir beobachten viele Vögel und sehen auch schwarze Schwäne mit roten Schnäbeln. Als sie auffliegen, sehen wir, dass sie an den Flügelspitzen weiße Federn haben. Leider sind sie sehr scheu und wir kommen nicht nah genug ran um gute Fotos zu machen, aber mit dem Fernglas können wir sie beobachten.
Mittlerweile ist es auch nach unseren Vorstellungen hier Sommer. Na ja, jedenfalls einigermaßen. Statt morgens 15° ist es nun 22°, aber die Wassertemperatur ist hier hoch im Norden auch für mich so erträglich, dass ich mich ohne Neopren ins Wasser wage. Wir packen auch das Kayak aus und erkunden die Nebenarme dieses weitläufigen natürlichen Hafens. Und die weißen Dünen erklimmen wir auch. Der Sand ist teilweise sogar sehr fest und das Laufen auf den Gipfel ist nicht so sehr anstrengend. Wir schauen uns auch den Ort Te Hapua an, der mit der am nördlichsten gelegenen Schule in Neuseeland punkten kann. Aber ansonsten gibt es nicht viel zu sehen. Früher hat man hier von Gumdiggen gelebt (das Ausgraben des Kauri-Harzes) und heute gibt es hier einige Austernfarmen und Rinder werden auch gehalten.
Da wir diese herrliche Landschaft mit unseren Freunden teilen wollen, laden wir Lisa und Thomas fürs Wochenende ein und wir haben eine schöne Zeit miteinander.
Anschließend wird es leider Zeit, dieses Paradies wieder zu verlassen, obwohl wir gerne länger bleiben würden. Aber der Schwell wird in der nächsten Zeit zunehmen und dann wird es kritischer die Barre am Eingang von Parengarenga Harbour zu passiern. Am Rand finden sich noch die Reste von dem Wrack der Endeavour II, die hier 1971 gestrandet ist. Die Masten hat man übrigens geborgen und die stehen jetzt auf einem Schiff bei Paihia.
Nachdem wir also wohlbehalten den Parengarenga Harbour wieder verlassen haben, segeln wir wieder Richtung Süden entlang der Ostküste von Northland. Eigentlich hatten wir ja vor entgegen dem Uhrzeigersinn um die Nordspitze rum zusegeln, dann an der Westküste nach Süden segeln um die Marlborough Sounds zu besuchen. Aber diesen Plan haben wir nun verworfen. Erstens hat das Wetter bisher nicht gepasst und zweitens läuft uns auch die Zeit davon, denn wir wollen Ende März das Boot an Land stellen, weil wieder einige Arbeiten zu erledigen sind.
Also entscheiden wir uns für einen stressfreien Törn und wollen weiter die Ostküste von Neuseeland erkunden. Dort haben wir ja auch noch nicht alles gesehen.
Auf dem Weg nach Süden haben wir wenig Wind, aber es reicht uns um Segeln zu können. Da wir ja nun nicht zu den Marlborough Sounds segeln, können wir uns nochmal das Spektakel am Waitangi Day am 6. Februar anschauen. Wir ankern mitten im Geschehen nicht weit von Waitangi Treaty Grounds und können die Parade der Kriegswaka aus nächster Nähe beobachten. An Land gibt es verschiedene kulturelle Veranstaltungen. Der Haka-Tanz darf natürlich nicht fehlen und es gibt viele gute Gruppen, die uns mit Live-Musik unterhalten. Besonders gut gefallen hat uns ein japanisches Drummer-Duo, die neben dem konventionellen Schlagzeug eine riesige Trommel dabei hatten. Diese Taiko zu bedienen war Hochleistungssport! Wir haben es sehr genossen und die Drummer haben wirklich alles gegeben.
Nach dem Waitangi Day sind wir dann weiter nach Süden. Erstmal nur ein kurzer Stopp in der Oke Bay, was noch im Bereich der Bay of Islands liegt. Am nächsten Tag dann in einem Rutsch bis zur Calliope Bay, die ein Teil der Urquharts Bay ist. Hier haben wir wieder die leckeren Jakobsmuscheln eingesammelt bevor wir dann weiter nach Whangarei sind. Unser Ankerplatz ist wie oft vor Norsand und da wir wieder das ein oder andere bestellt haben, können wir uns das dort abholen. Natürlich treffen wir auch wieder einige Freunde und gelegentlich macht uns ein Besuch im Städtchen Whangarei auch Spaß.
Aber sehr lange wird es uns sicher nicht in Whangarei halten und dann geht es bald wieder weiter. Wohin, das werdet Ihr im nächsten Beitrag lesen.

Mitte Januar 2020 Bay of Islands
Wir wünschen Euch allen ein Frohes Neues Jahr. Wir sind gut rein gerutscht und haben mit lieben Freunden gefeiert und um zwölf Uhr das Feuerwerk in Paihia angeschaut. Natürlich gab es was leckeres zu Essen und auch das ein oder andere Gläschen dazu.
Anfang der Woche sind wir dann zu den Black Rocks gesegelt, weil wir dem Trubel etwas entfliehen wollten. Hier war nicht soviel Betrieb, wie wir das nach Weihnachten auf Urupukapuka gesehen haben. Moturoa Island ist ein Wildlife Sanctuary und nachts konnten wir die Schreie der Kiwis hören. Ich meine die flugunfähigen Vögel,nicht das Obst oder die Neuseeland Bewohner;-)
Die ersten Tage war es tagsüber nicht immer sommerlich warm. Wir hatten gelegentlich Temperaturen unter 20 Grad. Viel zu kalt für uns! Vielleicht ist die Sonne auch nicht richtig durchgekommen, denn wir hatten einmal den Himmel richtig orangefarben. Wir haben gelesen, dass mit dem orangefarbenen Himmel die Temperatur auch runter gegangen ist. Später haben wir dann erfahren, dass eine riesige Qualmwolke von den australischen Buschfeuern nach Neuseeland geblasen wurde. In Auckland haben viele Leute das als so dramatisch empfunden, dass sie den Notruf gewählt haben. In den neuseeländischen Medien wurde dann von "apocalyptic smoke" berichtet. Hier ein Link, wer sich dafür genauer interessiert.
https://www.newshub.co.nz/home/new-zealand/2020/01/auckland-goes-yellow-smoke-from-the-australia-bushfires-covers-auckland.html
Dann haben wir vor Russel geankert, denn am 11.1.2020 fand dort das Tall Ship Race statt. Wie wir ja vom letzten Mal wissen, versteht man hier unter "Tall Ship" Boote über 30 Fuß. Nun, wie auch immer, außer der Regatta gab es eine Mordsparty, Erdofenessen und auch zwei tolle Bands. Bei einer Band waren alle Bandmitglieder über 80 Jahre alt und der älteste sogar 95 Jahre alt. Aber tolle Musik haben sie gemacht. Wir haben mal wieder sehr viele Bekannte getroffen und so waren die nächsten Tage mit sogenanntem "Social Life" ausgefüllt. Wir hatten liebe Gäste während der Regatta, aber danach sind wir ins Te Puna Inlet gesegelt, wo wir auch Bekannte getroffen haben. Im Te Puna Inlet waren wir schon mehrmals und kennen die Stellen, wo wir Austern pflücken und nach Pipis graben können. Pipis sind die leckeren Muscheln, die an die Venusmuscheln erinnern und die wir schon im Dezember 2017 hier in Neuseeland kennen gelernt haben.
Da Benno immer noch kein Freund von rohen Austern ist, wurden wir von einer neuseeländischen Seglerin zu Oyster-Fritters eingeladen. Eine Art Pfannkuchenteig, in den noch Austern reinkommen und der dann ausgebacken wird. Sehr lecker und jetzt habe ich ein weiteres Rezept um Austern zu genießen. Da wir so viele Austern hatten, habe ich noch einen Auflauf mit Austern und Pipis gemacht, der auch bei unseren Gästen gut angekommen ist.
Aber nach ein paar Tagen mit schönem Beisammensein zerstreut sich die Seglergemeinschaft wieder. Jeder hat andere Ziele und auch wir wollen ja irgendwann aufbrechen um Neuseeland weiter zu erkunden. Mal sehen, wohin es uns in den nächsten Wochen verschlägt.